genussmousse empfiehlt: Ai Weiwei @ Kunsthaus Bregenz

Heute steht mal nicht der Blick in die genussmousse-Kochtöpfe auf dem Programm. Wir möchten Ihnen, LeserInnenschaft, statt dessen andere Genüsse näherbringen. Und zwar vorwiegend architektonische... Ai Weiwei, chinesischer Künstler, documenta-Star, Architekt & überhaupt Vieleskönner. Wegen einer bislang nicht weiter begründeten Verhaftung durch die chinesischen Behörden und einer ebenso undurchsichtigen Freilassung auf Kaution derzeit in aller Munde. moon chest2Das merkt man auch beim Besuch der aktuellen Ai Weiwei-Schau im KUB, das nebenbei heftig für Ai Weiwei agitiert. Am Dach prangt die riesengroße Leuchtschrift "Free Ai Weiwei", von unterschiedlichen KünstlerInnen gestaltete Plakate im öffentlichen Bregenzer Raum fordern Solidarität ein und an der Kassa sind rote Jute-statt-Plastik-Sackerl mit der sinnigen Aufschrift des Dachgeschosses erhältlich. Und im Foyer drängen sich die BesucherInnen. Selten sieht mensch hier mehr Menschen. Die Schaulustigen sind da. Und außer einer Arbeit - ein Video Ai Weiweis dokumentiert den Abriss seines neuerrichteten Ateliers durch die chinesischen Behörden im Jänner dieses Jahres - wird ihre Schaulust mit wenig Sensationsheischendem befriedigt. Zu sehen sind, gestaffelt nach Stockwerken, zunächst ganz im Stile klassischer Architekturschauen, architektonische Arbeiten und Konzeptionen Ai Weiweis. Etwa eine Kooperation mit dem Schweizer Büro HHF. Mit "Five Houses" betitelt und bislang erst im Planungsstadium, soll daraus einmal Ai Weiweis ideales Haus werden. Oder Modelle des Nationalstadions in Peking, das Ai Weiwei gemeinsam mit Herzog & de Meuron für die Olympischen Spiele plante. Die wohl zentrale Arbeit der Bregenzer Ausstellung findet sich im nächsten Stockwerk. Für ORDOS 100 lud Ai Weiwei 100 junge Architekturbüros aus aller Welt ein, Einfamilienhäuser für die mongolische Steppe zu entwickeln. Ai Weiwei hat die Beiträge auf seine ganz spezifische Art verarbeitet: Wer das zweite Obergeschoss des KUB betritt, wird zuallererst von einem intensiven Duft nach Pinienholz umfangen. Dann beginnt sich das Auge zu orientieren: Ai Weiwei hat Rohformen der einzelen Einfamilienhausprojekte zu einem 500 Quadratmeter großen Holzmodell sägen lassen. Zunächst dominiert die Materialität des Modells mit seinen unterschiedlichen Maserungen, Strukturen und Färbungen. Erst der zweite Blick erlaubt genauere Befassung mit den Plänen für die Häuser.
Auch im nächsten Stockwerk duftet es harzig: Hier sind Ai Weiweis MoonChests zu sehen. Überlebensgroße Holzschränke, nach traditioneller chinesischer Handwerkskunst ohne Nägel gefertigt und mit kreisrunden Aussparungen irgendwo in der Mitte. Die Kästen offenbaren, hintereinander angeordnet, beim Blick durch die mittigen Löcher Sicheln in Form der Mondphasen.
Fazit: Interessante Werke mit olfaktorischem benefit. Wer freilich nur wegen des Sensationseffekts herkommen möchte, kann getrost zuhause bleiben. Hier dominiert die nüchterne Auseinandersetzung mit einem Aspekt des schillernden Arbeitsspektrums Ai Weiweis. Und an alle ArchitektInnen: Herkommen lohnt!
Mehr Bilder von der Ausstellung gibt es hier!

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